„Langweilig wird es uns nie!“

Julia und Miriam, was genau ist euer Aufgabengebiet als Kultur-Eventmanagerinnen im Palatin?
Julia Brinkmann / Miriam Keller: Wir kümmern uns um alles rund um die Kultur. Los geht es mit der Veranstaltungskonzeption und dem  Künstler-Booking und der Fragestellung „Kann das in Wiesloch funktionieren?“. Wenn wir diese Frage mit „Ja“ (manchmal auch mit „Jein“, weil wir uns nie ganz sicher sein können) beantworten, dann gilt es, die Konditionen abzustimmen und den Vertrag mit dem Künstler/der Agentur zu schließen. Manchmal buchen wir auch keine Künstler direkt, sondern vermieten unsere Räumlichkeiten an externe Veranstalter, die dann selbst die Veranstaltung organisieren. Koordinationsbedarf gibt es aber natürlich auch bei diesem Modell genug.
Weiter geht es mit der Erstellung des Ticketvorverkaufs bei Reservix und der Veröffentlichung der Veranstaltung auf unserer Website, Facebook und allen anderen Veranstaltungsportalen. Und auch die Drucksachen werden von uns inhaltlich zusammengetragen und in Zusammenarbeit mit unserer Grafikerin gestaltet: Plakate, Flyer, Anzeigen, zwei Mal im Jahr der DIN-A5-Veranstaltungskalender. Alle Printmedien sollen ansprechend sein und unserem Corporate Design gerecht werden.
Apropos Plakatierung, die muss auch noch termingerecht in Auftrag gegeben werden. Ebenso wird die Presse wöchentlich von uns gefüttert. Im besten Fall fruchten diese Marketing-Maßnahmen und wir freuen uns über ein volles Haus. Unabdingbar ist es,  dass wir rechtzeitig vor einer Veranstaltung korrekte Absprachen mit unserer Technik bzgl. der Bühnenanweisungen und Saalbestuhlung treffen.
Ist die Veranstaltung vorbei, geht die Nachbereitung recht schnell: Ticketabrechnung, GEMA-Nachmeldung und Einreichung der Musikfolge, Versendung der Presseartikel an die Künstler …

Wie sieht ein typischer Kultur-Arbeitstag aus?
Julia Brinkmann / Miriam Keller: Es gibt im Grunde keinen typischen Kultur-Büroarbeitstag, sondern eher einen typischen Kultur-Veranstaltungstag. Für diesen haben wir sogar eine Art „Fahrplan“: Ankommen, Check der Künstlergarderoben, Foyer herrichten, digitale Beschilderung einstellen. Wenn die Künstler angekommen sind, besprechen wir kurz den Ablauf des Abends und dann treten schon die Security-Kräfte und unsere Aushilfen an der Garderobe und am Einlass auf die Bildfläche, ein kurzes Briefing folgt sogleich.
Während der Veranstaltung haben wir keine konkrete Aufgabe, sondern sind „Mädchen für alles“. Das heißt Ansprechpartner für die Abendkasse, Aushilfen, Security, Gäste, Künstler, … irgendwo brennt es immer. Eine kurze Pause haben wir dann meist, wenn wir uns mit in die Veranstaltung setzen und uns ansehen, wen wir da engagiert haben!
Ein Kultur-Arbeitstag im Büro ist immer sehr unterschiedlich … Natürlich haben wir viele routinierte Arbeitsabläufe, aber es kommen auch viele unvorhersehbare Aufgaben auf … Langweilig wird es uns nie!

Welche Eigenschaften sollte man als Kulturmanager mitbringen?
Julia Brinkmann / Miriam Keller: Wichtig ist ein Gefühl dafür, welche Veranstaltungen ins Haus und in unserem Fall nach Wiesloch passen. Wobei das eine Eigenschaft ist, die mit der Zeit kommt und sich mit der Erfahrung ausbildet. Auch sollte man in der Lage sein, Künstler unabhängig von seinem persönlichen Geschmack zu verpflichten – selbstverständlich nur, wenn die Qualität stimmt! – und sich vielmehr den Geschmack des Publikums vor Augen halten. Zudem sollte man ein kommunikativer Mensch sein und auf den Gast und vor allem den Künstler zugehen können. Für einige Aufgaben darf man sich auch einfach nicht zu schade sein und gerade bei Veranstaltungen Kollegen auch abteilungsübergreifend unter die Arme greifen. Sehr wichtige Eigenschaften sind auf jeden Fall Stressresistenz, Multitasking-Fähigkeit und eine gute Selbstorganisation, da viele Aufgaben parallel anfallen.

Was sind/waren besondere Momente in eurem Job?
Julia Brinkmann: Definitiv die Lesung mit Pater Anselm Grün!  Es war einfach unglaublich, als 800 Zuschauer aufstanden und eine Art Gruppenmediation erlebt haben.
Miriam Keller: Eine besondere Veranstaltung für mich war „Pro:c-Dur“; ich habe den Minnesängersaal noch nie so toben sehen. Allgemein liebe ich das „Hinter den Kulissen“-dabei-sein; wenn die Produktion auslädt, auf der Bühne aufgebaut und eingeleuchtet wird und die Proben beginnen, überkommt mich immer so ein Glücksgefühl. Wir lernen sehr viele interessante Menschen kennen und obwohl wir nicht viel Zeit mit den Künstlern verbringen, sind die Begegnungen oftmals sehr herzlich und man bleibt in sehr angenehmem Kontakt. Auch mit den Gästen. Das macht wirklich Spaß!

Das Interview führte Miriam Scarnà, Auszubildende zur Veranstaltungskauffrau im Best Western Plus Palatin Kongresshotel in Wiesloch.

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