Was passiert mit den Menschen, die durch Alexa ersetzt werden?

Hotellerie ist Zukunft, doch wie sieht die Zukunft aus? 88 % aller Hotels in Deutschland haben weniger als 49 Zimmer. Die Kettenhotellerie beherrscht den Markt, aber welchen? Digitalisierung ist in aller Munde, aber wer macht sich Gedanken, wie sich die Digitalisierung in Zukunft auf die Hotellerie auswirkt? In den Ketten wird sie zentral von verantwortungsbewussten, in der Sache informierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kommuniziert und zum Teil in die Tat umgesetzt. Doch was ist mit den 88 % kleineren Häusern im Lande? Wer trägt die Kosten? Wer überzeugt Familien in der fünften Generation? Wie bekommen eben diese Häuser motivierte und in der Sache fitte Mitarbeiter?

Seit Jahren gibt es in Deutschland das Gastronomiesterben. Lokale, seit Jahren am Markt, geben auf, weil sie in den Ortschaften keine Chance mehr sehen, ihren Lebensunterhalt zu gestalten. Folgt in den nächsten fünf Jahren ein Hotelsterben in Deutschland, in den D- und E-Lagen im Land? Wird dieses Szenario von Verbänden, von Institutionen, von der Politik ins Auge gefasst? Gibt es dafür Überlegungen und Lösungen? Bei vielen Vorträgen, die ich halte, versuche ich, gerade Hoteliers im Lande Mut zu machen, positiv an die zukünftige Entwicklung heranzugehen, den Mut zu  haben zur Ausbildung. Denn gerade in einem kleinen Haus kann ich als junger Mensch Fachwissen anhäufen und Sozialkompetenz lernen. Voraussetzung ist, der junge Mensch wird als Geschenk gesehen und nicht als Position Arbeitstier. Er wird aufgenommen in die Gedankenwelt des Unternehmers und in dieser auch mit Visionen, mit Nöten, aber auch mit einer positiven Zukunftsvision ausgestattet. Ich glaube, dass dieses der Branche guttun wird.

Ein Aspekt in meinen Überlegungen lässt mich seit geraumer Zeit nicht mehr los: Ich übergebe das Palatin in den nächsten Monaten in gute neue Hände. Wir haben ein Haus gebaut, das den Menschen in den Vordergrund stellt. Viele Überlegungen sind auf das Wohl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgerichtet. Ich stelle aber fest, dass sich einiges in der Gesellschaft verändern muss. Auch einige meiner Mitarbeiter arbeiten noch so, wie man seit 250 Jahren arbeitet: Man geht morgens für acht Stunden aus dem Haus und für diese acht Stunden wird man bezahlt. Ich glaube die Digitalisierung wird eine Veränderung in der Arbeitswelt über diese 250 Jahre hinaus bewirken, so dass die juristischen Verträge, die im Moment gemacht werden, hinterlegt mit einer Stellenbeschreibung, in den nächsten fünf bis zehn Jahren einem psychologischen Vertrag weichen müssen. Ich denke, dass die Menschen nach einer Aufgabe bzw. einem Projekt bezahlt werden und diese Aufgabe / dieses Projekt ist nicht an eine Stundenzahl gebunden. Man tut es, weil man sich dem Auftraggeber moralisch verpflichtet fühlt und weil man von der Aufgabe begeistert ist. Und diese Variante der Zukunftsgestaltung gefällt mir persönlich besser, denn was macht ein Taxifahrer in fünf bis zehn Jahren, wenn die Autos selber fahren? Was macht ein Lkw-Fahrer in den nächsten Jahren, wenn sein Lkw alleine von A nach B kommt?

Sehen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, vor Ihrem Auge die Veränderung in der Hotellerie? Was passiert mit den Menschen, die durch Alexa ersetzt werden? Was passiert mit jetzt motivierten Leuten, die schon nach einem psychologischen Vertrag arbeiten, die aber feststellen, dass sie in der Minderheit sind? Die Digitalisierung muss kommen. Sie muss kommen. Aber wir alle sind gefordert, uns in das Jahr 2030 zu beamen und uns vorzustellen, wie dann die Hotellerie aussieht. Lassen Sie uns gemeinsam darüber nachdenken und lassen Sie uns gemeinsam Wege finden, dass der Mensch in seinen ursächlichen Bedürfnissen noch ein glücklicher Mensch ist. Hotellerie ist Zukunft!

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